quäl dich, du sau!
das hat udo bölts bei der tour de france 1997 zu seinem teamkollegen jan ullrich gesagt. damit hat er ullrich angetrieben, eine schwere bergetappe in den vogesen zu überstehen und so die zu tour zu gewinnen.
sport ist eine qual. man muss sich quälen und “dem körper unmissverständlich klar machen, dass die ganze strapaze einen guten grund hat”, wie der schriftsteller haruki murakami in seinem buch “wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede” treffend formuliert. man muss den muskeln quasi zeigen, wer das sagen hat.
am schwersten ist das natürlich als anfänger. da haben sie noch die oberhand. ich habe seit ein paar monaten wieder angefangen zu laufen. meine mitbewohnerinnen sind sportcracks und da ist das natürlich sehr einfach sich zu motivieren. am schwierigsten ist es bei hitze zu laufen. man hat eigentlich keine lust. man denkt nur an wasser. man möchte sich am liebsten die kleider vom leib reißen, weil es so unerträglich heiß ist und man dazu sich noch anstrengen muss. wenn man vor dem laufen noch etwas salziges gegessen hat, ist es aus. dann ist es eine endlose qual. natürlich darf man das nicht denken. es geht ja darum, den körper zu bezwingen, dem inneren schweinehund quasi in den hintern zu treten. die qual lohnt sich aber. immer und immer wieder. irgendwann steigert sich die ausdauer, die atemtechnik verfeinert sich und das lauftempo beginnt gleichmäßig zu werden. irgendwann macht es auch sehr viel spaß.
so wie beim “woman’s run” in frankfurt – mein erster lauf in meinem leben. kleine anekdote nebenbei: als gimmick gab es rosa laufshirts von reebok mit der aufschrift “favoritin”. da ich rosa nicht mag, freiwillig kein shirt in dieser farbe anziehen würde und auch kein fan von geschlechterklischees bin, habe ich darauf verzichtet es anzuziehen und habe es meiner schwägerin geschenkt. prompt wurde ich in der umkleidekabine gefragt, warum ich denn ein grünes und nicht das rosafarbene shirt trage. meine antwort verwunderte zwar, aber ich stehe zu meinen prinzipien.
beim lauf selbst bin ich gestürzt und habe mich am knie verletzt. am knie war eine offene wunde, die vor blut triefte. von laufen konnte jetzt keine rede mehr sein. eher humpeln und irgendwie laufen. ich hatte keine lust mehr, wollte aufgeben und die sanitäter zu mir rufen. doch aufgeben? jetzt? aufgeben ist keine option. also habe ich mich gequält und bin in 42 min. die 5 km-strecke gelaufen. 5km ist nicht viel, aber als anfängerin war das völlig ok für mich. die zeit war auch ok. das ich nicht aufgegeben habe und trotz verletzung ins ziel gekommen bin, macht mich stolz.
die quälerei lohnt sich immer und irgendwann versteht der körper das auch.










Juli 4th, 2010 at 22:59
[...] etwas mehr als das aktuell Bestehende draus zu machen. Worum es im Kern der Sache geht, wird hier ganz wunderbar erklärt: Quäl dich, du Sau. Besiege erst mal den Idioten in dir, der ne Kippe zwischen den Fingern haben [...]