2009 war kein schlechtes jahr und die nuller jahre keine schlechte dekade. die zeit geht so wahnsinnig schnell vorüber. wo ist sie nur geblieben? scary. manchmal denke ich, es hat sich nichts geändert und manchmal denke ich das genaue gegenteil. wenn ich zehn jahre zurückblicke, dann kann ich zumindest feststellen, dass ich mich sehr verändert habe. würde mich jetzt gerne mit meinem ich vor zehn jahren mal unterhalten. wäre sicher interessant. aber auch irgendwie blöd, denn vergangenheit ist ja nun mal vergangen. und kann nicht mehr verändert werden. im gegensatz zu der zukunft. die ist spannender, weil man nicht weiß, was kommen wird.
die 2000er jahre lassen sich so grob umschreiben:
ausbildung
studium
diplom
mehrere erlebnisse, die mich bis heute nachhaltig (zum positiven) geprägt haben.
klingt langweilig, aber ist vielleicht gerade deshalb cool.
die nuller jahre sind auch interessant, weil sie so scheinbar uninteressant waren. aus kulturellen gesichtspunkten war dieses jahrzehnt jedenfalls extrem spannend. ich kann keinen lieblingsfilm, buch oder album nennen. ich habe zu viel gesehen, zu viel gelesen und zu viel gehört, um mir das alles merken zu können, was toll und was schlecht war. aber manches hat mich so sehr umgehauen, dass es sich für immer ins gedächtnis eingebrannt hat.
_film:
_requiem for a dream. dieser film ist so verdammt deprimierend. deshalb kann man sich ihn auch nur einmal im jahrzehnt ansehen. ich weiß noch, wie ich völlig verstört aus dem kino getaumelt bin. der plot über den absturz von drogenabhängigen ist schon schlimm genug. aber der score von clint mansell tut sein übriges. er tut weh. und zwar richtig. er passt sich perfekt den kaum zu ertragenden bildern an. je näher der absturz, desto unerträglicher die musik. desto unterträglicher die bilder. darsteller, musik und kamera bilden eine schaurig-schöne einheit, die ich so bisher noch nie gesehen habe. deshalb ist requiem for a dream für mich der eindringlichste film in den 2000er jahren.
_buch
_infinite jest
eigentlich hat das buch hier nix zu suchen, denn es wurde bereits 1996 veröffentlicht. aber damals war mein englisch zu schlecht, um das buch auch nur ansatzweise zu verstehen. aber ich wünschte, ich hätte das infinite jest schon viel früher gelesen. denn: das buch ist gigantisch. in jeglicher hinsicht. über 1000 seiten dick. komplexe sprache. 100 seiten appendix. kurz gesagt, infinite jest ist eine herausforderung. ich habe über 2 jahre gebraucht, um es zu lesen. zwischendurch hatte ich keine lust mehr. war am verzweifeln. letztes jahr habe ich es zu ende gelesen. worum zum teufel geht es in dem buch? welche drogen hat david foster wallace nur beim schreiben eingeschmissen? aber verdammt - es lohnt sich! gesellschaftliche scheinheiligkeiten werden ebenso behandelt, wie konformismus, oberflächlichkeit, drogen, konsum, medien-verdummung, post-moderne oder philosophie. infinite jest ist eine chaotisch, verschwurbelte, verschrobene und völlig durchgeknallte dystopie und ich liebe es!
_musik
_electro-shock blues
es gab in diesem jahrzehnt bessere alben. electro-shock-blues von den eels erschien auch eigentlich nicht in den 2000er jahren, sondern 1998. esist aber trotzdem für mich das beste album in diesem jahrzehnt. im krankenhaus habe ich es rauf und runter gehört. es hat mir sehr geholfen. dafür liebe ich dieses album abgöttisch. auch wegen diesen lyrics:
I don’t know where we’re going
I don’t know what we’ll do
Laying in bed tonight i was thinking
And listening to all the dogs
And the sirens and the shots
And how a careful man tries
To dodge the bullets
While a happy man takes a walk
And maybe it is time to live
– was auch wieder ein schönes motto für die kommenden jahre ist.