Mär 1 2010

sex (still) sells

gestern spätvorstellung: the wolf man. der film ist ein remake des gleichnamigen klassikers von 1941. benicio del toro spielt den wolfmenschen und anthony hopkins den nervigen psychopathischen vater. die geschichte ist schnell erzählt. mann wird von werwolf gebissen. verwandelt sich dann nachts bei vollmond in ein haariges biest, das alles angreift und auffrisst, was ihm vor die schnauze kommt. zwischendrin trifft der mann/werwolf auf eine junge hübsche frau (in diesem fall auf seine schwägerin) und verliebt sich in sie. was natürlich nicht ganz unproblematisch ist.

bei the wolf man und anderen werwolf-filmen geht es natürlich um sex und leidenschaft. wenn der mann seine triebe nicht mehr unterdrücken kann, verwandelt er sich in ein animalisches biest. das war schon bei rotkäppchen so. werwölfe und vampire gehören zusammen wie pech und schwefel. deshalb ist es auch kein zufall, dass nach den vampir-filmen die werwolf-filme folgen.

auch bei vampiren dreht sich alles um sex und triebe. die signalfarbe rot (blut) und der biss/saugen am hals sind wichtige indizien dafür. gut veranschaulicht wird das in der szene von francis ford coppolas bram stoker’s dracula, wo keanu reeves als jonathan harker am boden liegt und monica belucci als vampir an seinen brustwarzen saugt. überhaupt ist bram stoker’s dracula ein sehr sinnlicher film voller sexueller anspielungen.

das absolute gegenteil davon ist twilight. ich muss zugegeben, ich habe weder die bücher noch die filme gesehen. den ersten teil habe ich nicht ganz gesehen, weil er extrem langweilig ist. was ich gesehen habe, hat mir jedoch gereicht. ich kann auch nicht verstehen, warum die romanreihe so erfolgreich ist. vampir trifft auf mädchen. die beiden verlieben sich. es kommt aber nie zum sex. der vampir will sie in den hals beissen, sprich hat lust auf sex, übt sich aber in askese. das mädchen schmeißt sich ihm buchstäblich an den hals und will ihn verführen, was aber nicht so ganz klappt. also soll der biss/sex durch eine hochzeit legitimiert werden.

hier ist sie also wieder, die sittenstrenge und der propagierte triebverzicht. das liegt vielleicht daran, dass die autorin von twilight mormonin ist. aber vampire ohne sex geht halt nicht. den hype um die twilightbücher/filme verstehe ich auch nicht so ganz. aber vielleicht liegt es an den unsicheren zeiten im schatten der krise, dass sich viele nach unsterblicher liebe und schwülstiger romantik sehnen.


Feb 24 2010

alley cat

the great thing about banksy is not his art, though it’s still pretty cool. but his attitude. he doesn’t give a fuck what everybody and the media in particular are expecting from him. he still doesn’t show his face in cameras and that’s a pretty rare thing nowadays. andy warhol’s 15 minutes of fame comes in mind. some filmmaker guy wanted to make a movie about banksy. but he wasn’t interested in it, so he used the footage to make the documentary “exit through the giftshop” about the guy and streetart. i think the concept is very interesting and i’m looking forward to watch it in the theatre. it’s not über-underground, it’s mainstream - but mainstream can be artsy too.


Feb 9 2010

2010

2009 war kein schlechtes jahr und die nuller jahre keine schlechte dekade. die zeit geht so wahnsinnig schnell vorüber. wo ist sie nur geblieben? scary. manchmal denke ich, es hat sich nichts geändert und manchmal denke ich das genaue gegenteil. wenn ich zehn jahre zurückblicke, dann kann ich zumindest feststellen, dass ich mich sehr verändert habe. würde mich jetzt gerne mit meinem ich vor zehn jahren mal unterhalten. wäre sicher interessant. aber auch irgendwie blöd, denn vergangenheit ist ja nun mal vergangen. und kann nicht mehr verändert werden. im gegensatz zu der zukunft. die ist spannender, weil man nicht weiß, was kommen wird.

die 2000er jahre lassen sich so grob umschreiben:

ausbildung
studium
diplom
mehrere erlebnisse, die mich bis heute nachhaltig (zum positiven) geprägt haben.

klingt langweilig, aber ist vielleicht gerade deshalb cool.

die nuller jahre sind auch interessant, weil sie so scheinbar uninteressant waren. aus kulturellen gesichtspunkten war dieses jahrzehnt jedenfalls extrem spannend. ich kann keinen lieblingsfilm, buch oder album nennen. ich habe zu viel gesehen, zu viel gelesen und zu viel gehört, um mir das alles merken zu können, was toll und was schlecht war. aber manches hat mich so sehr umgehauen, dass es sich für immer ins gedächtnis eingebrannt hat.

_film:

_requiem for a dream. dieser film ist so verdammt deprimierend. deshalb kann man sich ihn auch nur einmal im jahrzehnt ansehen. ich weiß noch, wie ich völlig verstört aus dem kino getaumelt bin. der plot über den absturz von drogenabhängigen ist schon schlimm genug. aber der score von clint mansell tut sein übriges. er tut weh. und zwar richtig. er passt sich perfekt den kaum zu ertragenden bildern an. je näher der absturz, desto unerträglicher die musik. desto unterträglicher die bilder. darsteller, musik und kamera bilden eine schaurig-schöne einheit, die ich so bisher noch nie gesehen habe. deshalb ist requiem for a dream für mich der eindringlichste film in den 2000er jahren.

_buch

_infinite jest

eigentlich hat das buch hier nix zu suchen, denn es wurde bereits 1996 veröffentlicht. aber damals war mein englisch zu schlecht, um das buch auch nur ansatzweise zu verstehen. aber ich wünschte, ich hätte das infinite jest schon viel früher gelesen. denn: das buch ist gigantisch. in jeglicher hinsicht. über 1000 seiten dick. komplexe sprache. 100 seiten appendix. kurz gesagt, infinite jest ist eine herausforderung. ich habe über 2 jahre gebraucht, um es zu lesen. zwischendurch hatte ich keine lust mehr. war am verzweifeln. letztes jahr habe ich es zu ende gelesen. worum zum teufel geht es in dem buch? welche drogen hat david foster wallace nur beim schreiben eingeschmissen? aber verdammt - es lohnt sich! gesellschaftliche scheinheiligkeiten werden ebenso behandelt, wie konformismus, oberflächlichkeit, drogen, konsum, medien-verdummung, post-moderne oder philosophie. infinite jest ist eine chaotisch, verschwurbelte, verschrobene und völlig durchgeknallte dystopie und ich liebe es!

_musik

_electro-shock blues

es gab in diesem jahrzehnt bessere alben. electro-shock-blues von den eels erschien auch eigentlich nicht in den 2000er jahren, sondern 1998. esist aber trotzdem für mich das beste album in diesem jahrzehnt. im krankenhaus habe ich es rauf und runter gehört. es hat mir sehr geholfen. dafür liebe ich dieses album abgöttisch. auch wegen diesen lyrics:

I don’t know where we’re going
I don’t know what we’ll do

Laying in bed tonight i was thinking
And listening to all the dogs
And the sirens and the shots
And how a careful man tries
To dodge the bullets
While a happy man takes a walk

And maybe it is time to live

– was auch wieder ein schönes motto für die kommenden jahre ist.


Aug 22 2009

back to moonwalk.

this is one reason, why i love the “back to the future” trilogy so much. the infinite cross references to pop culture:


Jun 30 2009

life is a gift horse.

j. d. salinger is 90 years old and somewhere hiding in his house in rural new hampshire, usa. unfortunately he hasn’t written anything new for decades. i highly doubt he will write something new, now being 90 and all.
but just for the novel “the catcher in the rye” and the short story “teddy” i’m forever grateful that he has written it; before he started shutting himself away from the limelight and began with the cocooning. “teddy” is typical salinger and it’s thirty pages full of beauty, deep philosophy, buddhism and poetry. i’m wondering why he wasn’t awarded with the nobel prize for literature yet. it’s about damn time - considering his age!

another guy who never got what he deserves, was stanley kubrick. he never won an academy award for best director or best picture. this is outrageous, because he should have won at least one award for the monkey scene in 2001 - a space odyssey, where the ape is looking out of pure curiosity at bones. and then - B A N G - strauss’s “thus spoke zarathustra” plays in the background and suddendly the ape is picking up a bone and thrashs everything around him. this is one of the finest moments in modern film history. if not t h e finest. the scene is powerful, because it’s a defining moment. and kubrick was snubbed. it’s un-fucking-believable!


Mai 18 2009

filme, die begeistern #2

die bislang vier besten filme des ersten (noch nicht ganz abgelaufenen) halbjahres. falls weitere noch dazukommen sollte, werde ich sie noch auflisten.

_gran torino

clint eastwood ist wie alter wein. je älter, desto besser, beziehungsweise künstlerisch anspruchsvoller wird er. in seinem neuestem film “gran torino” spielt er den gefrusteten koreakrieg-veteranen walt kowalski, der voller vorurteile über seine hmong-nachbarn ist und diese abgrundtief hasst. als er den nachbarjunge thao beim stehlen seines geliebten gran torino erwischt, beschließt er anstatt ihn zu bestrafen, wieder auf den rechten weg zu bringen. eastwood, der in “gran torino” zum letzten mal vor der kamera zu sehen sein wird, macht sich in seiner rolle als kowalksi über sein dirty-harry image lustig und zeigt, dass er ein exzellenter schauspieler ist. der film, der in detroits heruntergekommen vierteln von detroit spielt, zeigt ähnlich wie “crash“, dass vorurteile, hass und rassismus fest in der gesellschaft verankert sind, es aber umso wichtiger ist, sich dagegen zu stellen und rassismus zu bekämpfen. gran torin reiht sich so als ein weiterer wichtiger anti-rassismus film, der nicht nur wegen clint eastwood absolut hervorragend ist.

_the wrestler

michey rourke sieht tatsächlich so aus, wie er überall beschrieben wird. das einstmals hübsche gesicht aus “angel heart” ist von botoxspritzen und boxkämpfen so dermaßen verunstaltet, dass man mitleid mit ihm bekommt. rourke war am boden, sowohl im boxring, als auch im filmgeschäft. depressionen folgten drogen- und alkoholmissbrauch. “who the fuck is mickey rourke?”, bekam er öfters zu hören. jetzt ist er wieder da. mit “the wrestler” gelang rourke ein fulminantes comeback: von der gosse zur oscar-verleihung. im film zeigt er, dass er ein großartiger schauspieler ist, der in jeder filmminute die figur lebt, die so viele parallelen zu ihm aufweist. regisseur darren aronofsky ist mit “the wrestler” ein grandioser film gelungen, der hoffentlich nicht der letzte mickey-rourke-film ist.

_drei affen

nichts sehen, nichts hören, nichts sagen: was in der buddhistischen mythologie japans dafür steht, dass man bösem mit gelassenheit entgegentreten sollte, bedeutet es im westen hingegen feigheit, mutlosigkeit und ignoranz. der türkische ausnahmeregisseur nuri bilge ceylan beschreibt anhand seines films, wie sich drei familienmitglieder dadurch fast selbstzerstören. die mutter, unzufrieden mit ihrem leben als hausfrau, verliebt sich in den chef ihres mannes. der sohn fällt bei wichtigen prüfungen durch, weiß mit seinem leben nichts mehr anzufangen. der vater, geht anstatt seines chefs gegen geld wegen fahrerflucht ins gefängnis. aus dem geflecht zwischen hass, liebe, eifersucht, einsamkeit und verlorenheit spinnt ceylan einen hervorragenden film, der mit exzellenten aufnahmen glänzt und auch ganz ohne soundtrack funktioniert.

_slumdog millionaire

danny boyles film über einen jungen, der in slums aufgewachsen ist und bei der indischen ausgabe von “who wants to be a millionaire” alle fragen richtig beantwortete, hat dieses jahr acht oscars gewonnen. völlig zu recht. zwar ist das drehbuch teilweise etwas kitschig geraten, insbesondere der schluss. doch die phantastischen aufnahmen mit überwiegend in orange-gelben tönen getauchten bilder, die schauspieler und vor allem der grandiose soundtrack (u. a. m.i.a.) trösten darüber hinweg und machen “slumdog millionaire” zu einem hervorragenden film.


Apr 21 2009

i want to believe.

bild

es gibt nur zwei fernsehserien, die ich für überragend halte. die eine ist david lynchs twin peaks und die andere the x-files. das drama um laura palmer habe ich im gegensatz zu den fällen der zwei fbi-agenten nie ganz verstanden. ich denke, dass david lynch einfach zu viele drogen genommen hat, sich eines tages an seinen schreibtisch gesetzt hat und im rausch twin peaks geschrieben hat. anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich die serie auch nach der tausendsten wiederholung nie ganz verstanden habe. the x-files dagegen ist schon etwas einfacher zu verstehen. die serie ist aber bei weiten nicht niveaulos. zwar gibt es auch folgen - das gebe ich zu - die sehr schlecht sind (besonders die ab staffel sieben), der rest aber ist große klasse.

die serie zeigte sich von ihrer besten seite, wenn sie sozial- und gesellschaftskritisch war. und das war sie sehr oft. egal ob die technikabhängige gesellschaft, extremer video- und computerspielkonsum, mitarbeiterüberwachung, überwachungsstaat, gated communities, die perfektionistische (us-)gesellschaft, oberflächlichkeit, fundamentalismus - es wurde kaum ein thema ausgelassen, was auch heute nicht in irgendeiner form noch relevanz hat. ein zentraler punkt der serie sind außerirdische. diese thematik wird in den folgen als metapher für die angst vor allem fremden, vorurteile und fremdenhass benutzt. daran orientiert sie sich an vielen science-fiction filmen, die sich derselben methaphorik bedienen. der reiz von the x-files liegt auch in den verkehrten (klischeebehafteten) geschlechterrollen. mulder ist der sensible, einfühlsame und verständnisvolle und scully die toughe, rationale und kritische.

meine lieblingsfolge ist “folie à deux” (= geteilte geistesstörung). ein mann, der im callcenter arbeitet ist unzufrieden mit seinem job, da sie routinebehaftet und wenig geistig fordernd ist. er ist der meinung der arbeitgeber wäre in wirklichkeit ein monster, das seine angestellte ausnutzt, kontrolliert und zu willenlosen zombies macht, die dann zu seinen marionetten werden. von der science-fiction ist es auch hier nicht mehr weit zur grauen realität….


Apr 20 2009

filme, die begeistern #1

der regisseur gus van sant ist besonders gut, wenn er filme außerhalb des mainstreams dreht. filme wie milk oder good will hunting sind zwar außergewöhlich, aber kein vergleich zu grandiosen independent-produktionen wie elefant, the last days oder paranoid park. letzterer ist wie elefant eine studie über verlorene und verunsicherte (amerikanische) teenager, die keine wirklichen interessen haben, gelangweilt vom leben und unfähig sind emphatie oder gefühle zu zeigen. paranoid park ist im umfeld der skateboard-community angesiedelt und van sant zeigt wunderschöne skateboard-aufnahmen im super-8-format. die eigenwillige akrobatik der skateboarder mutet wie ballett an. typisch für van sant sind seine tiefen poetischen bilder. in paranoid park kommt man aus dem staunen nicht mehr heraus. so muss kino sein. ganz genau so. keine große action. nur leise, kleine bilder, deren gewaltige wucht sich für immer in das gedächtnis einbrennen. typisch für van sant sind auch seine endlos langen einstellungen, obwohl diese sein stilistisches markenzeichen sind, langweilen sie nie. ein anderer wichtiger punkt von van sants filmen ist die musik. der film the last days orientiert sich am leben von kurt cobain und daher ist viel grungerock zu hören. paranoid park ist ziemlich leise - elliot smith trifft auf beethoven. dies alles ergibt kinokunst vom allerfeinsten, wie sie nur regisseure vom kaliber eines gus van sant schaffen können. genau dafür bin ich ihm ewig dankbar.


Feb 26 2009

f*ckin’ bruges

in bruges ist nicht nur einer der lustigsten und tragik-komischten filme, die ich seit langem gesehen habe, sondern auch einer mit den meisten schimpfwörtern:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=XdJAgjOLLYw&hl=de&fs=1]


Dez 16 2008

heul doch!

“im kino gewesen. geweint.” dieser lapidare satz stammt aus franz kafkas tagebuch. wer kennt das nicht? wenn ich für jedes mal bei dem ich mit tränen überströmten gesicht aus dem kinosaal gestürmt bin, geld bekommen hätte, wäre ich unverschämt reich. aber gegen emotionen kann man nichts machen. ich heule natürlich nicht bei allen filmen, aber komischerweise immer bei den gleichen filmen - an den gleichen stellen:

_beim tragischen ende von “dancer in the dark”
_wenn jennifer conelly und jared leto in “requiem for a dream” in den letzten 15 minuten endgültig ihre seelen und körper zerstören
_wenn russell crowe in “gladiator” seine ermordete familie entdeckt
_wenn die pistole auf das kleine mädchen in “crash” gerichtet wird und thandie newton im auto eingeklemmt ist
_wenn in “pans labyrinth” ofelia am brunnen liegt
_die magische szene, bei “collateral”, in der der kojote die straße überquert
_bei den letzten 5-10 minuten in “stay”
_bei den letzten 5-10 minuten von “ladri di biciclette, die so unglaublich traurig sind, dass es einem das herz zerreisst
_bei “der himmel über berlin”, weil die aufnahme wunderschön und die geschichte so tragisch ist
_bei der szene in “holiday”, in der cary grant katharine hepburn erzählt, warum träume im leben wichtig sind
_wenn in “match point” endgültig alles zusammenbricht und jonathan rhys-meyers sein ekliges/wahres gesicht zeigt
_das ende von “brokeback mountain”
_die szene, in der don cheadle in “hotel ruanda” über leichen fährt
_wenn clint eastwood in “million dollar baby” hilary swank im krankenhaus zum letzten mal besucht

ich bekomme auch eine gänsehaut, wenn ich etwas schönes sehe, bspw. sonnenaufgang/untergang am meer oder profanes wie kunstwerke.

beispielsweise das kolosseum: auf die arena herunter zu blicken, ist unbeschreiblich. dieses gefühl mittendrin zu stehen und zu wissen, dass menschen an dieser stelle gestorben sind, dass dieser koloss vor tausenden von jahren erbaut wurde und die überreste immer noch zu sehen sind, dass menschen zu wundervollen architektonischen meisterleistungen, aber gleichzeitig auch zu massenmorde fähig sind, bewegt/erschüttert mich zutiefst.