eine frage, die ich mir schon seit längerer zeit stelle, ist folgende: warum mögen berlinliebhaber münchen nicht und münchenfans berlin nicht? denn egal mit wem ich darüber gesprochen habe, jeder mochte die eine stadt nicht, wenn er die andere mochte. warum ist das nur so? gegensätze sollen sich ja angeblich anziehen. ying und yang und so. hier das schmuddelkind berlin, dort das glamoröse münchen. sollte doch eigentlich bestens passen. natürlich werden bei den gesprächen wieder sämtliche vorurteile ausgepackt, die es über berlin und münchen so gibt. die da wären über berlin: styler, noch mehr styler, wichtigtuer, die im café sankt oberholz am rosenthaler platz in ihren macbook pro (oder bald ipad) starren und an ihrem latte macchiato schlürfen. oder aber arbeitslose assis, die die stadtparks bevölkern und nervige neureiche muttis (trophy wives) samt anhang im prenzlauer berg. und über münchen: snobs, styler, schicki-micki, überteuert, oberflächlich und arrogant (nicht die stadt, sondern ihre einwohner).
ich muss gestehen, ich mag münchen nicht besonders. ich weiß nicht woher das kommt, denn ich habe dort nie für eine längere zeit gelebt. münchen ist perfekt für einen urlaub, aber dort leben? nein danke! wie gesagt, die genauen gründe kenne ich nicht. vielleicht muss ich die vorurteilskiste aus dem keller hervorkramen: die stadt wirkt auf mich wie eine sterile filmkulisse (und nichts ist tödlicher für eine stadt, wie eine filmkulisse zu wirken). alles so sauber und ordentlich (jaa, es gibt sicher auch dreckige ecken in münchen, die hab ich aber leider nicht gesehen). für mich muss eine stadt, wie eine stadt sein – also auch dreckig. ein weiterer punkt ist, dass ich dieses mia-san-mia lebensgefühl nicht mag. das ist aber eher ein bayrisches, als ein münchnerisches problem, da es innovationsfeindlich wirkt. unsympathisch wirken auch die vielen kameras in münchen, die wohl jeden schritt beobachten.
wenn ich münchen nicht besonders mag, muss ich folgerichtig eine berlinliebhaberin sein. richtig! ich bin quasi halbberlinerin (meine mom ist in ostberlin geboren) und habe das preußische daher schon in den genen. das kann also gar nichts mit münchen und mir werden! ich mag das chaotische, verquerte, wilde durcheinander, unperfekte an berlin. berlin ist häßlich. berlin ist wunderschön. diese gegensätze machen für mich diese stadt wahnsinnig interessant. natürlich nervt berlin auch unglaublich. die hypes beispielsweise, die digitale boheme, die sich dort angeblich niedergelassen haben soll, und die prenzlauer-berg-mamis. aber die sagen auch prenzelberg. klingt fast wie breznberg. ach ja, und wer genug von berlin hat, sollte mal nach friedrichshagen gehen. ein wunderschönes dorf direkt am wunderschönen müggelsee. wenn ich mal alt und weise bin (also im rentenalter), ist berlin-friedrichshagen definitv the place to be!
ich finde diese endlosen diskussionen, welche stadt denn jetzt besser ist, sehr lustig. und vor allem so sinnlos.
apropos (extrem) sinnlos, hier eine pro/contra liste
// berlin
kultur ++++++
preise +++++
park ++++
natur +++
see ++++++
// münchen
kultur +++++ (einen punkt abzug gibts, weil münchen keine museumsinsel, kein martin-gropiusbau und kein c/o berlin hat)
preise ++++++ (kann noch beliebig erweitert werden)
park ++++++ (gegen den englischen garten verliert berlin leider)
natur ++++++
see +++++ (einen punkt abzug gibts, weil es in münchen keinen müggelsee gibt)
man erkennt jetzt anhand der liste keine großen unterschiede zwischen münchen und berlin. aber es kommt ja immer auf die details an. und wie gesagt, ich kann es rational nicht erklären warum ich münchen nicht mag. ist eher so ein bauchgefühl. und vielleicht von wegen preußin und so…