wenn cary grant die wendeltreppe in alfred hitchocks film “suspicion” hinaufsteigt und ein tablett mit einem glas milch für seine kranke frau in der hand hält, ist das erstmal nicht sehr spannend. aber hitchcock wäre nicht hitchock und nicht der “master of suspense”, wenn das milchglas nicht geheimnisvoll leuchten würde. der film ist in schwarz-weiß gedreht, so dass die wirkung umso effektiver ist. hitchcock wusste natürlich genau, warum er das glas so perfekt ausgeleuchtet hat. nicht umsonst gilt die szene als eine der berühmtesten in der filmgeschichte. der zuschauer fragt sich verwundert, “warum leuchtet das glas”?, “ist die milch vergiftet”?, “will cary grant seine frau umbringen”? und das ist suspense auf allerhöchstem niveau. und nur darum ging es hitchcock – den zuschauer zu verwirren. das ist es auch, was suspense von horror unterscheidet. suspense spielt mit der erwartungshaltung der zuschauer, während horror (zumindest plumper horror) das zeigt, was der zuschauer sehen will (von spritzendem blut bis folterszenen). für diese art von effekthascherei braucht man kein besonders gutes drehbuch, nur einen guten visagisten. suspense hingegen, verlangt nach einem guten skript.
die us-amerikanische serie “american horror story” bietet beides und als zuschauer fragt man sich nicht nur einmal, wie die erfinder und drehbuchautoren der serie, ryan murphy und brad falchuk (“nip/tuck”, “glee”), es schaffen, suspense auf sehr hohem niveau von folge zu folge zu erzeugen und den zuschauer zu verwirren. der “horror” im titel ist daher eigentlich auch irreführend, denn in “american horror story” geht es eher um die eigenen dämone, die es zu bekämpfen gilt, als um gore und gemetzel. zum plot: eine familie zieht von boston nach los angeles, um von vorne anzufangen. die frau hatte eine fehlgeburt, der mann betrügt sie und wird von ihr in flagranti erwischt und die tochter ist depressiv. sie ziehen in eine alte villa, die sie spottbillig erworben haben und wie das immer so ist mit alten villen, geht es hier nicht mit rechten dingen zu. das große plus von “american horror story” sind neben dem intelligenten drehbuch, die darsteller. diese sind allesamt großartig – insbesondere die zweifache oscargewinnerin jessica lange als diabolische nachbarin constance (gebt dieser frau bitte alle fernsehpreise, die es zu gewinnen gibt; sie ist brilliant! – edit: lange wurde für den golden globe, screen actors guild award und den satellite award nominiert). was auch auffällt ist die tatsache, dass männer in der serie schwach und die frauen stark sind. männer weinen ständig – beim joggen, beim masturbieren, beim zündeln, beim dekorieren oder morden. frauen sind emanzipiert, sogar das dienstmädchen: “You just need a good cry. That’s what men do – they make you think you’re crazy so they can have their fun. Men find excuses to lock women away, making up diseases like “hysteria” – which comes from the Greek word for uterus. Men are still inventing ways to drive women over the edge.” die charaktere sind vielschichtig und komplex, niemand ist gut oder böse, nichts ist schwarz oder weiß. hitchcock, das scheint sicher, hätte an “american horror story” seine helle freude gehabt.
kaum ist es draußen etwas kälter, quillt verstärkt elektronische musik aus meinen lautsprechern. ich weiß nicht, ob es da einen zusamenhang gibt und warum das so ist. angefangen hat alles mit karin dreijer andersson, der sängerin von fever ray und the knife. ihre stimme erinnert etwas an björk, ist aber dennoch einzigartig, toll und überhaupt großartig. ihr soloprojekt fever ray besticht durch die für skandinavien typische kühle, fast schon mystisch anhauchende elektronische musik, die sich anhört, wie nebelschwaden an einem herbsttag:
fever ray // when i grow up
digitalism habe ich lange nicht mehr gehört. im sommer haben sie ihr zweites album veröffentlicht – höchste zeit also, ismail tuefekci und sänger jens moelle (der immer noch so herrlich schräg und mit heftigem deutschen akzent singt) alias digitalism, wieder mal zu hören:
digitalism // forrest gump
seit ich den film “drive” gesehen habe, bin ich in den soundtrack verliebt. dieser ist sehr an die 80er jahre angelehnt und dementsprechend sind viele synthiesounds zu hören. aber das macht nichts, denn der soundtrack passt perfekt zum film und umgekehrt. die wirklich überragende eröffnungssequenz des films ist mit dem klangteppich von the chromatics unterlegt:
fans der serie “the x-files” und besucher von washington, dc kennen es: das j. edgar hoover building. groß und mächtig und heimat des federal bureau of investigation. j. edgar hoover war gründer und knapp 50 jahre lang direktor des fbi. hoover legte den grundstein für eine zentrale kartei für fingerabdrücke und sorgte dafür, dass die kriminaltechnik beim fbi auf dem neuesten stand war. er nutzte die behörde jedoch auch, um personen der öffentlichkeit, wie charlie chaplin und präsidenten überwachen zu lassen und legte umfangreiche dossiers über seine gegner an.
clint eastwood hat nun das leben des fbi-gründers mit leonardo dicaprio in der titelrolle verfilmt. ich warte auf den film “j. edgar” schon das ganze jahr und bin darauf wahnsinnig gespannt. aber was kann schon schiefgehen, wenn eine (regie)legende und der beste schauspieler seiner generation aufeinandertreffen?
nachtrag: branchengerüchten zufolge, soll clint eastwood demnächst wieder vor der kamera stehen (mit 81 jahren!). das letzte mal war er in “gran torino” zu sehen und eigentlich sollte das seine letzte rolle gewesen sein. this would be too good to be true!
das londoner indielabel ninja tune hat, ähnlich wie sub pop, eine fülle an erstklassigen künstlern, beispielsweise bonobo, the cinematic orchestra, the rainstick orchestra, amon tobin und fink. fink ist großartig und hat ein neues album herausgebracht. ich weiß bis heute nicht, wie er er schafft, sich von album zu album weiterzuentwickeln. das ist höchst erstaunlich und löst bei mir regelmäßig begeisterungsstürme aus. im oktober tourt er mit seiner band in deutschland – und zu sagen, dass ich voller vorfreude bin, ist untertrieben.
fink // perfect darkness
fink // berlin sunrise
übrigens auf langen zugfahrten ist finks musik besonders toll. mit keiner anderen musik lässt es sich besser träumen.
der kopf ist ein gefragtes objekt der begierde. schon die rote königin in alice im wunderland forderte “ab mit dem kopf” und in washington irvings kurzgeschichte the legend of sleepy hollow ist ein kopfloser reiter auf der suche nach seinem abgetrennten haupt. auch bei schlägern ist der kopf begehrt – als zielscheibe. dutzende fälle werden in den medien aufgelistet, wo gegen den kopf getreten wird. ich weiß nicht, ob es ein phänomen unserer zeit ist, oder ob es solche taten schon immer gegeben hat und heute nur vermehrt drüber berichtet wird. das macht die tat jedoch nicht minder schrecklich. nicht selten erleiden opfer ein schädel-hirn-trauma. da ich selbst eines schon einmal hatte, dreht sich bei mir regelmäßig beim lesen von entsprechender meldungen der magen um. auch weil man von den opfern im gegensatz zum täter nicht viel hört. ich verstehe diese taten nicht. was treibt einen menschen dazu an, anderen gegen den kopf zu treten? sämtliche grenzen und hemmschwellen müssen, ebenso wie der verstand, weg sein (auf den alkohol kann man es auch nicht schieben). mich würde interessieren, wo die ursachen liegen – film oder computerspiele als vorbilder zu nenen, wäre als lösung zu einfach. vielleicht leben wir aber auch einfach nur in einer sehr kranken welt und man muss so etwas einfach nicht verstehen.
passend auch dazu ein kommentar aus dem tagesspiegel-forum zur aktuellen gerichtsverhandlung des “berliner u-bahn schlägers”:
“Im Übrigen: will man z. B. das Tat-Video auf Welt-Online anschauen, dann muss man erst einen 30 Sekunden langen Werbespot über sich ergehen lassen. So etwas zeigt doch, wie krank unsere Gesellschaft mittlerweile schon geworden ist.”
was wären filme nur ohne schauspieler, die einen durch ihre darstellungskunst mitreißen, umhauen und berühren? leinwandgötter, die im filmolymp angekommen sind und dadurch irgendwie unsterblich geworden sind.
zu den leinwandgöttern zählt ohne frage, die schottin tilda swinton. denn swinton (genau wie meryl streep!), könnte einen blumentopf spielen und der film wäre trotzdem großartig und würde vermulich etliche preise gewinnen. sie ist eine extrem wandlungsfähige und absolut glaubwürdige schauspielerin – und das will schon etwas heißen in zeiten von megan fox und co. unvergessen sind die szenen in michael clayton, wo sie eine karrieregeile und skrupellose konzernvertreterin spielt, die vor jeder verhandlung im hotelzimmer ihre rede so lange wiederholt, bis sie sitzt oder auf die toilette verschwindet, um ihre von achselschweiß durchnässte polyesterbluse zu säubern. oder die szenen in julia, wo sie eine lügende alkoholikerin spielt, die das reiche kind ihrer armen nachbarin kidnappt und irgendwann später nach einer verfolgungsjagd durch die wüste in mexiko landet. oder aber wie sie in broken flowers als “white trash” im karohemd und gummistiefeln bill murray die tür aufmacht, als er sie nach seinem sohn ausfragen will.
nachdem man fast alle filme mit swinton gesehen, kommt man zu dem schluss, dass diese frau alles spielen und in jeder rolle überzeugend ist. man fragt sich auch nicht nur einmal, wie sie das macht.
man könnte die schauspielerin mit vier as beschreiben: androgyn, alabasterhaut, aristokratin, arthouse-ikone. bemerkenswert ist, dass sie ihren eigenen stil hat, nie mit makeup herumläuft (oder zumindest nie mit makeup fotografiert wird) und überhaupt von einem anderen stern zu sein scheint. das erklärt vielleicht, warum sie nicht übber rote teppiche läuft, sondern fast darüber schwebt. so unkoventionell ihr kleidungsstil und ihre äußere erscheinung ist, so unkonventionell ist auch ihr privatleben, denn sie hat eine dreiecksbeziehung mit mann und jüngerem freund: “es braucht einige ungewöhnliche männer, damit eine situation wie diese klappt.”
bald läuft swintons neuester film we need to talk about kevin in den kinos an und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie auch in diesem film wieder überzeugt und die kritiker erneut lobeshymnen schreiben. verdient hat sie es auf jeden fall.
these two songs are probably the most sad songs ever written. but they’re too beautiful to ignore. maybe it’s the shitty weather outside, the wind, the endless rain or the chill (it’s july, damn!), but they fit perfectly. what else can you do when it doesn’t stop to rain in summer? basically just the things you would do when it’s fall or winter. drinking a nice cup of tea or a steaming hot chocolate and reading a good book. since a few weeks i have a craving for novels from paul auster. i’m reading his older books and am amazed at how damn well his characters are written and how beautiful they are. also i’m reading franz kafka’s letters and his biography. it’s hard to believe how well one can relate to him, even if he’s dead since nearly 90 years. but you can. damn well. but maybe it’s because society and its people haven’t changed much since.
but enough with this moody talk. summer, sun, lights where are you?
ich weiß nicht woran das liegt, aber jedesmal wenn ich folgen von akte x gucke, bekomme ich unglaubliche lust quer durch die usa zu reisen. das kann daran liegen, dass akte x an allen möglichen orten spielt – hauptsächlich in provinzen, die unaussprechliche namen wie poughkeepsie oder quonochontaug haben.
reisen bedeutet für mich nicht, eine woche in irgendeiner stadt zu verbringen und dann wieder abzureisen. ich möchte das land und seine leute erleben und am liebsten alles auf einmal sehen. das ist nicht möglich, es sei denn man hat unendlich viel zeit zu verfügung. ich beschränke mich daher auf städte, die mich am meisten interessieren. chicago, detroit, san francisco, seattle und vancouver. von chicago bis san francisco fahre ich mit einem zug, das ticket habe ich schon gekauft – mit dem california zephyr und überquere dabei illinois, iowa, nebraska, colorado, utah, nevada und kalifornien. von ost nach west und durch die rocky mountains und die sierra nevada. damit geht so etwas wie ein traum für mich in erfüllung – einmal durch amerikas westen fahren. seit ich zum ersten mal western gesehen habe, war ich immens beeindruckt vom wildem westen, den endlosen weiten, der freiheit, der ruhe und den abenteuern.
noodle, die mit dem zug bereits gefahren ist, hat ein unglaublich tolles video von ihrer reise gedreht, das sie mit einem noch tolleren text unterlegt hat:
ich könnte jetzt zeilenlang über mein fernweh oder meine vorfreude schwadronieren. aber stattdessen füge ich ein zitat von noodle ein, denn besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können:
I swoon, America. What a great vision you are. People find you easy to hate. From afar, and sometimes from within. But from this window you have never looked more open to me. More filled with possibility, with hope.
es gibt eine szene im sehenswerten film “going the distance” mit drew barrymore, wo sie in einer bar ein altes automaten-arcade game spielt. sie versucht ihren eigenen highscore zu toppen und wird dabei von einem typen gestört. und wie das so, dachte der typ, dass die initialen, die neben dem highscore stehen, zu einem mann gehören. wieso eigentlich?
es ist wohl noch immer so, dass frauen spieltechnisch nicht so ernst genommen werden und auch in der unterzahl sind. (ich bin aber weder experte noch kenne ich mich sonderlich gut in der spielebranche aus. kann also gut sein, dass meine vermutungen falsch sind.) googelt man beispielsweise nach “konsolenspiele für frauen” listet google an erster stelle bild.de mit einer auflistung der angeblich besten konsolenspiele für frauen. darunter finden sich „Die Sims 3: Late Night“, „Your Shape: Fitness Evolved”, „Michael Jackson – The Experience“ aber auch das „Abenteuerspiel Heavy Rain“. mich spricht “heavy rain” wesentlich mehr an, als “fitness evolved oder “die sims late night”. ich bin kein fan von festgelegten geschlechterrollen und rollenklischees – nach dem motto für frauen gibt es nur spiele, die sich um abnehmen, ausgehen, singen oder tanzen drehen, weil frauen ja sich in der realen welt auch mit diesen themen übermäßig beschäftigen (fehlt nur noch ein shopping- oder schuhespiel, aber vielleicht gibt es das ja schon).
eigentlich ist es an der zeit, dass frauen in der spielebranche ernst genommen werden. aber vielleicht mangelt es auch an der phantasie von spieleentwicklern und heldinnen mit identifikationspotential sind nicht gefragt. das sieht man an dem wundervollen spiel “beyond good & evil”. die heldin jade ist eine toughe reporterin, die ihren heimatplaneten retten muss. die intelligente story, die nicht mit gesellschaftskritik spart, mit ihren sympathischen figuren hätte eigentlich das potential zum bestseller, aber es war ein ladenhüter. gefloppt ist auch “american mcgee’s alice”. sicher nicht jedermanns geschmack, aber auch hier ist die heldin sympathisch und bietet genügend identifikationsmöglichkeiten. die kombination intelligente geschichte und sympathische heldin, hat schon roberta williams von sierra in den frühen neunziger jahren in der reihe laura bow angewendet. laura bow ist eine reporterin und deckt eine reihe von mordserien mit detektivischem spürsinn auf. leider hat die reihe nicht mehr als zwei teile überstanden. vielleicht gibt es in zukunft ja mal eine trendwende auf dem spielemarkt – weg von den klischeehaften frauengames und hin zu spielen, mit deren helden und heldinnen sich frauen auch identifizieren können. es wäre zu wünschen.
schon komisch. da glaubt man auf dem richtigen weg zu sein und dann stolpert man zufällig über eine sache, die einem zum nachdenken bringt und man erinnert sich wieder an etwas von früher und merkt, dass die richtung falsch war und man einen anderen weg gehen muss. get back on track. aber was wäre das leben wenn alles so einfach wäre?